Nach Riester: Warum die Aktienrente eine gute Idee ist

Julian Lindenberg Aktualisiert am 9. April 2026

Nach Riester: Warum die Aktienrente eine gute Idee ist

Status quo Riester-Rente

Die gesetzliche Rente allein wird für viele Menschen im Alter nicht ausreichen, um ihren Lebensstandard zu sichern. Deshalb ist private Vorsorge grundsätzlich sinnvoll. Das Problem ist nur: Sie kostet Geld, und dieses Geld haben viele Menschen nicht einfach übrig. Genau deshalb ist es richtig, dass der Staat private Vorsorge fördert.

Die Grundidee hinter der Riester-Rente war also nie falsch. Menschen sparen selbst, und der Staat gibt etwas dazu. Gescheitert ist Riester an der konkreten Ausgestaltung. Die strikte Garantie, dass mindestens alle eingezahlten Beiträge erhalten bleiben müssen, hat die Produkte unnötig teuer gemacht. De facto mussten die Anbieter eine Absicherung gegen Verluste einbauen und haben sich das über hohe Gebühren bezahlen lassen. Das Ergebnis waren magere Renditen und unattraktive Verträge.

Das ist die neue Aktienrente

Mit der neuen Aktienrente beziehungsweise dem Altersvorsorge-Depot soll genau dieser Fehler korrigiert werden. Künftig soll staatlich geförderte private Vorsorge stärker über renditeorientierte Kapitalmarktprodukte wie ETFs möglich sein. Das ist ein echter Fortschritt, weil langfristiges Sparen am Aktienmarkt deutlich bessere Chancen bietet als teure Garantieprodukte.12

Geplant sind dabei im Wesentlichen drei Varianten:

  1. Das selbst verwaltete Altersvorsorge-Depot
    Hier entscheiden Sparerinnen und Sparer selbst, in welche zugelassenen Produkte ihr Geld fließt, ähnlich wie bei einem normalen Depot, nur mit staatlicher Förderung und festen Regeln für die Anlage. Gerade deshalb ist es wichtig, die Gebühren genau zu prüfen, denn der ausdrücklich genannte Kostendeckel von 1,0 % gilt nur für das Standarddepot.

  2. Das Standard-Depot privater Anbieter
    Diese Variante ist für Menschen gedacht, die gefördert vorsorgen wollen, ohne sich selbst mit ETFs, Fonds oder der Produktauswahl zu beschäftigen. In diesem Fall übernimmt der Anbieter die Anlageentscheidung innerhalb staatlicher Vorgaben. Das ist bequemer, birgt aber auch Risiken: Selbst scheinbar kleine laufende Gebühren können über viele Jahre einen erheblichen Teil der Rendite aufzehren.

  3. Das staatlich organisierte Standard-Depot
    Auch dieses Modell richtet sich an Menschen, die eine einfache Lösung suchen. Der Unterschied ist, dass hier nicht ein privater Anbieter, sondern eine staatlich organisierte Lösung die Anlage übernimmt. Die Hoffnung ist, dass dadurch die Kosten besonders niedrig bleiben, weil keine Vertriebsprovisionen anfallen und keine Gewinninteressen privater Anbieter bedient werden müssen. Gerade das könnte einer der größten Vorteile der Reform sein.2

Der entscheidende Unterschied zwischen diesen drei Optionen ist also, wer die Anlageentscheidung trifft und wie hoch die Kosten am Ende ausfallen. Wer sich selbst kümmern will, kann das tun. Wer eine einfache Standardlösung möchte, soll sie ebenfalls bekommen.

Positiv ist außerdem, dass auch Selbstständige einbezogen werden und dass schon kleinere monatliche Beiträge durch staatliche Förderung attraktiver werden können.2

Fazit

Die Reform ist insgesamt ein Fortschritt. Es ist gut, dass der Staat private Vorsorge neu organisiert, ETF-Sparpläne ermöglicht und hoffentlich günstigere Standardprodukte schafft. Gerade ein staatlich organisiertes Standard-Depot könnte helfen, die Kosten deutlich zu senken und die Förderung tatsächlich bei den Sparerinnen und Sparern ankommen zu lassen.23

Trotzdem bleiben Probleme. Die neue Vorsorge bleibt freiwillig, und viele Menschen mit geringem Einkommen werden auch künftig kaum sparen können. Außerdem wird entscheidend sein, wie hoch die tatsächlichen Kosten der Produkte am Ende ausfallen. Denn auch ein gutes System kann scheitern, wenn wieder zu teure Angebote verkauft werden.13

Unterm Strich gilt deshalb: Die Entscheidung, private Altersvorsorge stärker am Kapitalmarkt auszurichten, ist richtig. Nach dem Scheitern der Riester-Rente ist die neue Aktienrente ein sinnvoller Neustart. Der nächste Schritt wäre aus unserer Sicht ein einfaches Opt-out-Modell: automatische Vorsorge mit der Möglichkeit, sich aktiv dagegen zu entscheiden.

Die neuen Produkte der privaten Altersvorsorge sollen ab dem 1. Januar 2027 angeboten werden. Der Bundestag hat die Reform am 17. Dezember 2025 beschlossen. Bevor das neue Altersvorsorgedepot tatsächlich startet, muss allerdings noch der Bundesrat zustimmen.

Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, findet hier drei gute Einstiege:

Footnotes

  1. Deutscher Bundestag, "Drucksache 21/4996". dserver.bundestag.de 2

  2. Bundesregierung, "Fragen und Antworten: Private Altersvorsorge reformiert". bundesregierung.de 2 3 4 5

  3. Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, "Reform der privaten Altersvorsorge: Was sich ändern muss!". verbraucherzentrale-bawue.de 2 3

  4. Lage der Nation, "LdN472". lagedernation.org

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