Geld für die Welt kritisiert Gesetzentwurf zum Altersvorsorgedepot und fordert staatliches Standardprodukt
Der Gesetzentwurf zum neuen Altersvorsorgedepot weist aus Sicht von Geld für die Welt grundlegende strukturelle Probleme auf. Die wichtigsten Kritikpunkte:
- Zu hohe Kosten: Ein Kostendeckel von 1,5 % ist deutlich zu hoch. Aber auch ein aktuell diskutierter Deckel von 0,5 % würde die Altersvorsorge vieler Menschen über Jahrzehnte unnötig schmälern.
- Das Altersvorsorgedepot löst das strukturelle Problem nicht: Private Altersvorsorge ist komplex. Viele Menschen brauchen Orientierung, treffen aber oft auf Vertriebsmodelle mit eigenen Verkaufsinteressen.
- Nötig ist ein einfaches Standardprodukt: Statt vieler Einzelprodukte braucht es eine staatlich organisierte, kostengünstige Standardlösung, die dauerhaft niedrige Kosten und eine sinnvolle Kapitalanlage sicherstellt.1
Der aktuelle Gesetzentwurf sieht einen Kostendeckel von 1,5 Prozent pro Jahr vor. Das liegt deutlich über den Kosten effizienter kapitalmarktbasierter Anlagen. Auch ein Deckel von 0,5 Prozent, wie er aktuell diskutiert wird, greift aus Sicht von Geld für die Welt zu kurz. Entscheidend ist nicht allein die Höhe des Deckels, sondern vor allem die Struktur des Systems.
Geld für die Welt schließt sich der Argumentation der Verbraucherzentrale1 an, die ein strukturelles Marktversagen bei der privaten Altersvorsorge sieht. Viele Menschen benötigen Beratung, treffen aber häufig auf provisionsbasierte Vertriebe mit eigenen Verkaufsinteressen. Dadurch entstehen Fehlanreize, die zu teuren oder ungeeigneten Produkten führen können.
Hohe Kosten, ungeeignete Anlagestrategien und Fehlanreize im Vertrieb lassen sich nicht allein durch einen Kostendeckel lösen. Statt vieler Einzelprodukte braucht es ein staatlich organisiertes, kostengünstiges Standardprodukt, in das Bürgerinnen und Bürger automatisch einbezogen werden, sofern sie sich nicht bewusst anders entscheiden. Ein solches Modell existiert beispielsweise in Schweden: Dort werden Sparerinnen und Sparer ohne eigene Fondswahl automatisch dem staatlichen Default-Fonds AP7 Såfa zugeordnet.
Ein staatlich organisiertes Standardprodukt könnte die Kapitalanlage nach klar definierten Anlagegrundsätzen zentral ausschreiben und so Wettbewerb über niedrige Kosten und hohe Qualität herstellen. In einem solchen System wäre ein Kostendeckel weitgehend überflüssig, weil die Struktur selbst dafür sorgt, dass Gebühren niedrig bleiben.
Julian Lindenberg von Geld für die Welt erklärt dazu:
Die Diskussion darf sich nicht nur darum drehen, ob der Kostendeckel bei 1,5 oder 0,5 Prozent liegt. Das eigentliche Problem ist strukturell. Wir brauchen eine einfache, kostengünstige Standardlösung, nach Schwedischem Vorbild.
Weitere Informationen zur Position der Verbraucherzentrale finden sich hier.
Footnotes
-
Verbraucherzentrale Bundesverband / Dorothea Mohn, „Neues Altersvorsorgedepot: Rentenchance oder teure Verkaufsfalle?“.
verbraucherzentrale.de ↩ ↩2
Über Geld für die Welt
Pressekontakt:
mail@gfdw.eu