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Evidence Action
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Kurzbeschreibung

Unterstützt Regierungen dabei, Schulkinder flächendeckend gegen parasitäre Würmer zu behandeln

Organisation

Evidence Action ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Washington, D.C., die wenige, gut belegte Gesundheitsprogramme in großem Maßstab umsetzt. Diese Seite betrifft ausschließlich das Programm Deworm the World; daneben betreibt die Organisation unter anderem Safe Water Now, Equal Vitamin Access und Syphilis-Free Start.1

Deworm the World verteilt nicht selbst. Das Programm unterstützt Regierungen technisch und finanziell dabei, staatlich getragene Massenentwurmungen an Schulen und in Gemeinden durchzuführen, gerichtet gegen bodenübertragene Helminthen (STH) und Bilharziose.2

Das Problem: Wurminfektionen

Die WHO schätzt, dass rund 1,5 Milliarden Menschen mit bodenübertragenen Helminthen infiziert sind, etwa 24 % der Weltbevölkerung. 654 Millionen Kinder im Schulalter leben nach WHO-Angaben in Gebieten mit intensiver Übertragung und benötigen Behandlung.3

Die Würmer entziehen dem Körper Blut und Nährstoffe. Die WHO nennt als Folgen Blutarmut, Mangelernährung sowie beeinträchtigte körperliche und geistige Entwicklung; sehr schwere Infektionen können einen Darmverschluss verursachen, der operiert werden muss.3 Betroffen sind vor allem Gemeinden ohne verlässlichen Zugang zu sauberem Wasser und Sanitärversorgung.

Ansatz

Statt eigene Verteilstrukturen aufzubauen, arbeitet Evidence Action mit Bildungs- und Gesundheitsministerien und nutzt vorhandene Strukturen, vor allem Schulen und geschulte Lehrkräfte. Nach eigener Darstellung umfasst die Unterstützung Schulungskaskaden, Prävalenzerhebungen, Begleitung der Medikamentenbeschaffung, Monitoring durch unabhängige Dritte sowie Aufklärungsarbeit in den Gemeinden.2

Behandelt wird mit Albendazol oder Mebendazol. Beide Mittel sind von der WHO empfohlen, werden endemischen Ländern über die WHO gespendet und können von nicht-medizinischem Personal ausgegeben werden.3 Für die Familien entstehen keine Kosten.1

Wirkung

Nach eigenen Angaben hat Deworm the World seit 2014 mehr als 2,2 Milliarden Behandlungen unterstützt, davon rund 198 Millionen im Jahr 2024 in Indien, Kenia, Nigeria, Pakistan und Malawi.1 Die Organisation gibt die durchschnittlichen Kosten mit unter 0,50 US-Dollar pro Behandlung an, in einzelnen Programmen mit 7 bis 8 US-Cent.2

GiveWell rechnet vorsichtiger. In seiner Prüfung vom August 2022 schätzt GiveWell die Kosten in Kenia auf etwa 0,66 US-Dollar pro Kind, ohne die Sachleistungen der Regierungen auf 0,46 US-Dollar, und in Indien auf etwa die Hälfte davon.4 Aktueller sind die Vergleichswerte aus der Förderentscheidung vom Mai 2025: GiveWell veranschlagt die Programme in Nigeria dort auf das 11- bis 15-Fache und das Programm in Khyber Pakhtunkhwa auf das 10-Fache der Wirkung einer gleich hohen Direktzahlung.5

Die Evidenzbasis geht auf eine randomisierte Studie in Kenia von Michael Kremer und Edward Miguel zurück. Evidence Action fasst deren Ergebnisse so zusammen: 25 % weniger Schulfehltage bei behandelten Kindern und, zwanzig Jahre später, ein um 13 % höheres Einkommen bei denjenigen, die zwei bis drei zusätzliche Jahre behandelt worden waren.1

Transparenz

Evidence Action veröffentlicht Prävalenz- und Deckungserhebungen und legt sie GiveWell zur Prüfung vor; GiveWell bescheinigt dem Programm durchgehend starke Monitoringarbeit und eine mediane Behandlungsdeckung in Nigeria von 77 % zwischen 2016 und 2022, oberhalb der WHO-Zielmarke von 75 %.5

GiveWell führte Deworm the World von 2013 bis 2022 als Top-Charity. Im August 2022 änderte GiveWell die Kriterien dieser Liste und nahm das Programm heraus. Nach GiveWells eigener Darstellung war das keine Neubewertung des Programms, sondern eine Verschiebung hin zu Interventionen mit sichererer Wirkungskette; über den All Grants Fund bleibt Deworm the World förderfähig.4

Deutlicher ist GiveWells Position von Mai 2025: Entwurmung sei kein vorrangiges Interventionsfeld mehr, und GiveWell wolle sich schrittweise zurückziehen. Der Grund liegt im Erfolg der Programme selbst. Wo über Jahre entwurmt wurde, ist die Wurmlast stark gefallen, und wie viel Nutzen weitere Behandlungsrunden dann noch bringen, lässt sich nach GiveWells Einschätzung nicht mehr beziffern. In Kenia sank die STH-Prävalenz laut der Erhebung von Evidence Action und dem Kenya Medical Research Institute von 32,3 % (2012) auf 5,8 % (2021/2022).5 GiveWell benennt als eigenen Vorbehalt das Risiko, dass die Infektionen nach einem Ausstieg wieder ansteigen.5

Aktuelle Projekte

Nigeria (Förderung bis 2027)
Entwurmung in Cross River, Ogun, Oyo und Rivers. GiveWell hält die Programme hier für weiterhin kosteneffektiv, weil die Wurmlast in den meisten Verwaltungsbezirken noch mittelhoch ist.5

Kenia (Förderung bis 2027, danach Übergabe)
Letztes Förderjahr durch GiveWell. Evidence Action erarbeitet mit der Regierung eine Ausstiegsstrategie, damit Behandlung und Überwachung in kleinerem Umfang staatlich weiterlaufen.5

Pakistan, Khyber Pakhtunkhwa (Förderung bis 2027)
Ebenfalls letztes GiveWell-Förderjahr. Landesweit erreicht das Programm nach eigenen Angaben rund 14 Millionen Kinder jährlich; im Oktober 2025 startete eine nationale Wirkungserhebung, und die Provinzregierung von Khyber Pakhtunkhwa hat zugesagt, drei Jahre lang 20 % des jährlichen Umsetzungsbudgets zu tragen.2

Indien (Übergabe bis März 2027)
Am National Deworming Day im August 2025 wurden nach Angaben von Evidence Action 146,8 Millionen Kinder in den drei Bundesstaaten behandelt, die noch volle technische Unterstützung erhalten. Alle indischen Programme sollen bis März 2027 eigenständig laufen.2

Malawi (Finanzierung bis 2027)
Seit 2024 ein integriertes Schulgesundheitsprogramm in inzwischen 15 Distrikten, das Entwurmung mit Eisen- und Folsäuregabe verbindet. Evidence Action sucht nach eigenen Angaben Partner für eine Fortsetzung bis 2030.2

Tansania (Partnerschaft seit 2025)
Für 2026 ist die erste landesweite Prävalenzerhebung seit über 20 Jahren geplant, um die Behandlung auf Distrikte mit hoher Wurmlast zu konzentrieren.2

Footnotes

  1. Evidence Action, "Deworm the World". evidenceaction.org 2 3 4

  2. Evidence Action, "Don't gamble away remarkable NTD gains". evidenceaction.org 2 3 4 5 6 7

  3. World Health Organization, "Soil-transmitted helminth infections", 18. Januar 2023. who.int 2 3

  4. GiveWell, "Evidence Action's Deworm the World Initiative, August 2022 version". givewell.org 2

  5. GiveWell, "Evidence Action's Deworm the World Initiative, 2027 Funding for Nigeria, Kenya, Pakistan (May 2025)". givewell.org 2 3 4 5 6

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