
Malaria Consortium

Kurzbeschreibung
Schützt Kleinkinder während der Malaria-Hochsaison mit monatlichen Gaben vorbeugender Medikamente.
Organisation
Malaria Consortium ist eine 2003 gegründete gemeinnützige Organisation mit Sitz in London, die in Afrika und Asien zu Malaria und anderen übertragbaren Krankheiten arbeitet.1 Diese Seite behandelt ein einzelnes Programm der Organisation: die saisonale Malaria-Chemoprävention (SMC), für die GiveWell Malaria Consortium als Top-Charity führt.1
SMC schützt Kinder von 3 bis 59 Monaten während der Hochsaison der Übertragung durch die wiederholte Gabe vorbeugender Malariamedikamente. Malaria Consortium tritt dabei als umsetzender Partner der nationalen Malariaprogramme auf und trägt in festgelegten Gebieten die Verantwortung für die gesamte Kampagne, von Planung und Beschaffung über Schulung und Supervision bis zur Wirkungsmessung.2
Das Problem: Malaria
Weltweit gab es 2024 schätzungsweise 282 Millionen Malariafälle und 610.000 Todesfälle.3 Auf die afrikanische WHO-Region entfallen 94 % der Fälle und 95 % der Todesfälle, und rund drei Viertel der Todesfälle dort betreffen Kinder unter fünf Jahren.3 Nigeria trägt die größte Einzellast: 68,47 Millionen Fälle im Jahr 2024, 24,3 % aller Fälle weltweit und 38,6 % der weltweiten Malariatodesfälle bei Kindern unter fünf.2
Der Rückgang der vergangenen zwei Jahrzehnte ist ins Stocken geraten. In der afrikanischen Region stiegen die gemeldeten Fälle zwischen 2015 und 2024 um 24 %.2 Dahinter stehen Bevölkerungswachstum und bessere Erfassung, aber auch knappe Mittel, überlastete Gesundheitssysteme, Konflikte und Vertreibung sowie klimabedingt verschobene Übertragungsmuster.2 Die globale Malariafinanzierung lag 2024 bei 3,9 Milliarden US-Dollar und damit bei 42 % des für 2025 gesetzten Ziels von 9,3 Milliarden US-Dollar.4
Wo die Übertragung saisonal ist, konzentrieren sich die meisten Fälle und Todesfälle auf wenige Monate im Jahr, meist die Regenzeit. Genau auf dieses Zeitfenster zielt SMC.2
Ansatz
Eine SMC-Runde besteht aus drei bis fünf Zyklen im Abstand von 28 Tagen.2 In jedem Zyklus erhält ein Kind eine volle Behandlung aus Sulfadoxin-Pyrimethamin (SP) und Amodiaquin (AQ) über drei Tage: Die erste Gabe verabreicht die verteilende Person unter Aufsicht, die beiden weiteren AQ-Dosen gibt die betreuende Person an den Folgetagen. Eine volle Behandlung schützt rund 28 Tage.2
Verteilt wird überwiegend von Haus zu Haus durch geschulte Verteilerinnen und Verteiler aus den Gemeinden selbst. In Städten sowie in Gebieten mit Überschwemmungen oder Unsicherheit kommen feste Ausgabestellen hinzu, für mobile und nomadische Bevölkerungsgruppen aufsuchende Teams.2 Kinder mit Fieber erhalten kein SMC, sondern werden zum Test überwiesen.2
Um die Verteilung herum liegt der größere Teil der Arbeit: Zielbevölkerung schätzen, Medikamente ein Jahr im Voraus bestellen und bis auf die letzte Meile transportieren, Gemeinden informieren, Personal kaskadenförmig schulen, Supervision organisieren, Nebenwirkungen erfassen und nach jedem Zyklus messen.2 2025 beschaffte die Organisation mit philanthropischen Mitteln 69.537.140 Behandlungskurse und schulte 199.923 Personen.2
Wirkung
Die Evidenz für die Intervention selbst ist stark: Eine systematische Übersichtsarbeit mit Metaanalyse fand eine Reduktion der Häufigkeit unkomplizierter Malaria um 73 % bei den behandelten Kindern.2
Entscheidend ist, ob eine Kampagne die Kinder auch erreicht. In den Runden 2017 bis 2021 erhielten in Vier-Zyklen-Gebieten 95 % der Zielkinder mindestens einen Zyklus und 65 % alle vier.1 Die Abdeckung nach vollständigen Runden lag bei 92 % in Burkina Faso, 87 % in Togo, 85 % im Tschad und 78 % in Nigeria.1
GiveWell schätzte die Kosten pro vermiedenem Todesfall in den von ihr geförderten SMC-Gebieten im Dezember 2023 je nach Ort auf 2.000 bis 7.000 US-Dollar; für die 2022 bis 2024 vergebenen Mittel gibt sie im Mittel rund 4.000 US-Dollar pro gerettetem Leben an, bei etwa 7 US-Dollar, um ein Kind eine Saison lang zu schützen.5 Ein einzelner Zyklus für ein Kind kostet insgesamt rund 1,50 US-Dollar.1
Nach eigenen Angaben erreichte Malaria Consortium 2025 über alle Geldgeber hinweg 23,52 Millionen Kinder, mehr als 40 % aller weltweit mit SMC erreichten Kinder; 17 Millionen davon wurden aus philanthropischen Mitteln finanziert.2
Transparenz
Malaria Consortium veröffentlicht jährlich einen Bericht zum philanthropisch finanzierten Teil des SMC-Programms sowie einen gesonderten Bericht zu Abdeckung und Qualität, und legt GiveWell Monitoring- und Kostendaten offen.12
GiveWell benennt in ihrer Bewertung zugleich Vorbehalte gegenüber diesem Monitoring: Die Abdeckung beruht auf Selbstauskunft der betreuenden Personen, in den meisten geprüften Erhebungen fehlte ein Auditverfahren, zwischen Befragungen nach einzelnen Zyklen und nach der ganzen Runde gab es teils erhebliche Abweichungen, und die Schätzungen der Zielbevölkerung sind unsicher.1 Die Organisation selbst weist darauf hin, dass die administrative Abdeckung aus denselben Gründen regelmäßig über 100 % liegt.2
Die Organisation berichtet auch über Fehlschläge. Die Runde 2024/25 in der Provinz Nampula in Mosambik wurde abgesagt, nach Unruhen im Anschluss an die Wahlen, dem Zyklon Chido, einem Cholera-Ausbruch und einem ungelösten Zahlungsstreit aus der Vorsaison.2 Im Tschad verfielen im Dezember 2025 55.250 Behandlungskurse, weil das Prinzip der zuerst ablaufenden Ware nicht durchgängig angewendet wurde.2 Die Förderung im Tschad war zuvor stark zurückgefahren worden, nachdem GiveWell 2023 die Kosteneffektivität dort unterhalb ihrer Förderschwelle eingeschätzt hatte; im September 2024 revidierte sie diese Einschätzung.2
Aktuelle Projekte
Zahlen zur philanthropisch finanzierten Zielbevölkerung der Runde 2025 und zu den Planungen für 2026.2
Nigeria (2025): 152 lokale Verwaltungsgebiete, 11,54 Millionen Kinder. In einem Zyklus in Bauchi wurde zusätzlich Vitamin A an 1,89 Millionen Kinder von 6 bis 59 Monaten ausgegeben.
Burkina Faso (2025): 27 Gesundheitsdistrikte, 2,22 Millionen Kinder. In zwölf Distrikten prüften die Verteilerinnen und Verteiler zugleich den Impfstatus der Kinder und überwiesen ungeimpfte an die Impfstellen.
Mosambik (Runde 2025/26, Dezember 2025 bis März 2026): 23 Distrikte der Provinz Nampula, 1,64 Millionen Kinder, nach der abgesagten Vorsaison. Die Runde 2026/27 in denselben Distrikten ist zugesagt.
Tschad (2025–2026): 2025 zwölf Distrikte mit 270.000 Kindern. Für 2026 ist mit Zustimmung von GiveWell die Ausweitung auf 48 Distrikte in fünf Provinzen vorgesehen, davon 34 ohne bisherige SMC, sowie in 26 Distrikten die zusätzliche Abgabe von oraler Rehydratationslösung und Zink.
Togo, Uganda und Südsudan (2025): 640.000, 170.000 und 80.000 Kinder. Für Karamoja in Uganda bewilligte GiveWell im September 2024 eine zweijährige Förderung über 2,75 Millionen US-Dollar für die Saisons 2025 und 2026.6
Warum wir Malaria Consortium finanzieren
Weil hier eine Intervention mit starker Studienlage auf eine Organisation trifft, die belegen kann, dass sie diese Intervention tatsächlich bei den Kindern ankommen lässt. Der erste Teil ist Forschung: SMC senkt die Häufigkeit unkomplizierter Malaria erheblich. Der zweite Teil ist der schwierigere, und er ist der Grund für diese Auswahl. Malaria Consortium befragt nach jedem Zyklus und nach jeder Runde Haushalte, veröffentlicht die Ergebnisse und legt die Kostendaten offen, sodass Dritte nachrechnen können, was eine Spende bewirkt.
Dazu kommt, dass die Organisation ihre eigenen Fehlschläge benennt: die abgesagte Runde in Nampula, die verfallenen Medikamente im Tschad, die Grenzen der eigenen Erhebungen. Wer so berichtet, ist auch dann noch einschätzbar, wenn etwas schiefgeht. Geld für die Welt zahlt an Malaria Consortium aus, weil die Kombination aus belegter Wirksamkeit, gemessener Reichweite und offener Berichterstattung unter den prüfbaren Organisationen selten ist.
Footnotes
-
GiveWell, „Malaria Consortium – Seasonal Malaria Chemoprevention" (Stand April 2024). givewell.org ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7
-
Malaria Consortium, „Seasonal malaria chemoprevention programme: Philanthropy report 2025" (April 2026). malariaconsortium.org ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7 ↩8 ↩9 ↩10 ↩11 ↩12 ↩13 ↩14 ↩15 ↩16 ↩17 ↩18 ↩19
-
WHO, „World malaria report 2025" bzw. Faktenblatt Malaria. who.int ↩ ↩2
-
UN News, „Malaria: Drug resistance and underfunding threaten progress" (Dezember 2025). news.un.org ↩
-
GiveWell, „Our Top Charities". givewell.org ↩
-
GiveWell, „Malaria Consortium — Seasonal Malaria Chemoprevention in Karamoja, Uganda in 2025-26" (September 2024). givewell.org ↩
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